Was ist ein Blower-Door-Test?

by Aug. 28, 2026

Kurz gesagt: Der Blower-Door-Test zeigt, wo die Gebäudehülle undicht ist – bevor dort Feuchtigkeit ins Bauteil wandert und daraus ein Bauschaden wird. Ein Ventilator in der Türöffnung erzeugt dafür einen Druckunterschied von 50 Pascal, geregelt in der ÖNORM EN ISO 9972. Das Ergebnis ist der n50-Wert, die Luftwechselrate bei diesen Druckbedingungen. Ein guter Wert allein bedeutet aber noch nicht, dass keine Bauschäden entstehen können.

Ein Ventilator sitzt in der Eingangstür und saugt Luft. Für die Gebäudehülle fühlt sich das an wie ein Wind mit rund 30 km/h, der von allen Seiten drückt. Unter diesem Druck strömt Luft durch jede Fuge und jeden Riss, und genau dadurch finden wir die undichten Stellen.

So läuft eine Messung bei uns ab:

Was im Video passiert – der Text zum Nachlesen
Für alle, die gerade keinen Ton haben oder lieber lesen

Was im Video zu sehen ist

Zuerst kommt der Ventilator in eine Öffnung im Gebäude. Dann erzeugen wir nacheinander Unterdruck und Überdruck, um festzustellen, ob irgendwo Luft einströmt oder das Gebäude unbeabsichtigt verlässt.

Warum beide Richtungen? Weil damit die Materialien selbst getestet werden. Bei Überdruck wird ein Fenster zugedrückt, bei Unterdruck aufgesaugt – jedes Bauteil im Gebäude reagiert anders. Wer nur in eine Richtung misst, sieht nur die Hälfte.

Die Wärmebildkamera zeigt, wo es hereinkommt

Die Undichtheiten dokumentieren wir bei Unterdruck mit der Thermografiekamera. Wir saugen dabei kalte Außenluft ins Gebäude – und genau die wird im Wärmebild als kalte Stelle sichtbar.

Was eine Wärmebildkamera nicht kann: absolute Wärmeverluste messen. Sie zeigt Temperaturunterschiede, mehr nicht.

Und sie ist keine Kamera, auf die man drückt und ein buntes Foto bekommt. Wer dahintersteht, muss wissen, was er fotografiert, und das Bild lesen können. Das ist die eigentliche Kunst dabei.

Warum wir zusätzlich die Strömung messen

Mit dem Strömungsmessgerät halten wir fest, wie schnell die Luft an einer Fehlstelle einströmt. Ab 0,2 Metern pro Sekunde wird Zugluft als unangenehm empfunden.

Der Grund für diesen Aufwand ist ein praktischer: Unsere Gutachten werden angezweifelt. Dann können wir sagen, an welcher Stelle wir gemessen haben und mit wie viel Metern pro Sekunde die Luft dort unterwegs war. Eine Zahl lässt sich schwerer wegdiskutieren als ein Eindruck.

Der Nebel macht sichtbar, was später passiert

Bei Überdruck arbeiten wir mit künstlichem Nebel. Er wird im Gebäude an die verschiedenen Stellen gebracht und tritt dort aus, wo nicht sauber gearbeitet wurde.

Der Nebel steht dabei für die warme, feuchte Luft, die später im bewohnten Haus herrscht. Wo er nach außen entweicht, wird sie es auch tun. Wir halten jede dieser Stellen mit Video und Foto fest – damit sie ausgebessert werden können.

Ein Anruf gehört dazu. Bevor die Nebelmaschine läuft, melden wir den Test bei der Feuerwehr an. Sonst sieht jemand den künstlichen Nebel aus dem Gebäude ziehen, meldet einen Brand – und die Feuerwehr rückt zu einem Fehlalarm aus.

Der richtige Zeitpunkt ist jetzt

Die Aufnahmen entstanden in der Rohbauphase. Die luftdichte Ebene muss fertig sein, bevor wir den ersten Test machen – aber sonst möglichst wenig. In dieser Phase lässt sich jeder gefundene Mangel noch einfach nachbessern.

Der Hauptgrund für den Test ist, künftige Bauschäden zu vermeiden. Und die können dramatisch enden: Sitzt eine Undichtheit an der falschen Stelle, etwa beim Dachanschluss, kondensiert dort die Feuchtigkeit aus der Luft. Was daraus wird, sind Feuchteschäden, Eiszapfen im Aufbau, Schimmel – und ein Dachstuhl, der morsch werden kann.

Ein luftdichtes Gebäude hat außerdem geringere Energieverluste, und brandschutztechnisch ist es ebenfalls im Vorteil. Es hängt vieles daran.

Was wir uns wünschen

Machen Sie es wie die Bauherrschaft in diesem Video: den Blower-Door-Test zum richtigen Zeitpunkt, nicht zu spät. Wer zu spät kommt, braucht statt einer Messung ein Gutachten – und das kostet rund das Fünffache. Dazu ist die Freude am neuen Haus dahin.

Rufen Sie uns also lieber vorher an als nach dem ersten Winter. Dann sind wir nämlich die Spaßverderber – und das ist für niemanden schön.

Warum das überhaupt jemanden interessieren sollte

Ihr Auto muss alle zwei Jahre zur Begutachtung, Ihr Rauchfang wird regelmäßig gekehrt. Die Gebäudehülle Ihres Hauses aber, die Jahrzehnte lang Wind und Wetter standhalten soll, wird nie kontrolliert – nicht einmal bei der Übergabe.

In Österreich ist der Blower-Door-Test beim Hausbau kein Pflichttermin. Die Bauordnung schreibt Grenzwerte für die Luftdichtheit vor, gemessen wird aber nur, wenn jemand die Messung beauftragt. Der Test wäre Stand der Technik – Standard auf der Baustelle ist er leider trotzdem nicht.

Von Ihrer Baufirma werden Sie ihn selten vorgeschlagen bekommen. Wer bestellt schon freiwillig eine Prüfung der eigenen Arbeit?

Der Nachteil: Wer nicht misst, erfährt von seinen Baumängeln erst, wenn sie zu Schäden geworden sind.

Was undichte Stellen anrichten

Warme feuchte Raumluft kann durch diese Undichtheiten nach außen entweichen. Unterwegs kühlt sie ab und der Wasserdampf aus der Luft kondensiert. Das überschüssige Wasser bleibt zurück: in der Konstruktion, im Ziegel, im Dämmstoff, im Holz.

Eine einzige Fuge von wenigen Millimetern Breite transportiert über einen Winter mehrere Liter Wasser in ein Bauteil. Verteilt über hunderte Winternächte und vorerst unbemerkt.

Was daraus wird: Schimmel, holzzerstörende Pilze, feuchte Dämmung, die nicht mehr dämmt, und Kondenswasser an Elektroinstallationen.

Über den Sommer kann diese Feuchtigkeit nicht vollständig austrocknen. Der Schaden wächst deshalb von Jahr zu Jahr – und mit ihm der Wertverlust Ihrer Immobilie.

Nicht nur Feuchtigkeit

Durch dieselben Fugen geht im Winter Heizenergie verloren, das sind unnötige Kosten. Und es zieht: Eine undichte Hülle spüren Sie möglicherweise als kalten, ungemütlichen Luftzug, auch wenn die Heizung läuft.

Was sonst noch denselben Weg nimmt: Wespen und Fliegen, die im Spätsommer jede Ritze absuchen und in den Aufbau einziehen. Gerüche aus Keller, Garage oder von den Nachbarn. Lärm von draußen. Und im Brandfall Rauch, der sich über die undichten Anschlüsse ausbreitet.

Blower-Door-Ventilator im roten Einspannrahmen einer Wohnungstür, daran das Druckmessgerät
Der Ventilator wird in die Türöffnung eingespannt – das rote Gewebe dichtet den Rahmen ab.

Wozu brauche ich den Test?

  1. Mängel finden, solange die Gewährleistung läuft – dann muss die Baufirma sie auf eigene Kosten beheben, bei einem Test in der Bauphase geht das oft unproblematisch noch am selben Tag.
  2. Den n50-Wert nachweisen gegenüber Baubehörde und Förderstellen.
  3. Die Ursache finden, wenn schon etwas nicht stimmt: Feuchtschaden am Dach, Zugluft, Geruch oder Schimmel.
  4. Die Qualität Ihres Hauses dokumentieren – ein Beleg, den beim Verkauf kaum ein Bestandsobjekt vorweisen kann.

Welcher Wert ist gut?

n50-Wert
Ohne mechanische Lüftungsanlagehöchstens 3,0 pro Stunde
Mit Lüftungsanlagehöchstens 1,5
Tiroler Wohnbauförderung, verlangt für die Zusatzförderung1,0
Passivhausstandard0,6

Neubauten sollten es in der Praxis auf unter 1,0/h schaffen. Die verbindlichen Grenzwerte stehen in der OIB-Richtlinie 6.

Warum ein guter Wert noch nichts beweist

Zwei Häuser, gebaut im selben Jahr, geplant vom selben Büro. Beide erreichten beim Test einen n50-Wert von 0,9/h – sauber innerhalb der Vorgaben. Vier Jahre später ist im einen Haus der Dachstuhl morsch, im anderen nicht.

Der Unterschied: wie gründlich jemand nach den undichten Stellen gesucht hat.

Der n50-Wert ist ein Durchschnitt. Er sagt, wie viel Luft insgesamt durchgeht – aber nicht, wo. Ein Bauschaden entsteht nicht am Durchschnitt, sondern an einer einzelnen offenen Fuge.

Sicherheit geben erst zwei Antworten: Wo ist mein Haus undicht? Und: Ist eine dieser Stellen gefährlich?

Ob Sie diese Antworten bekommen, hängt davon ab, wen Sie beauftragen. Dazu weiter unten mehr.

Ein Beispiel aus der Praxis

Einfamilienhaus, Neubau, Messung im Bauzustand. Gefunden haben wir eine offene Fuge zwischen Ziegelmauerwerk und Dachpfette – nur ein kurzes Stück.

Der n50-Wert lag bei 0,9. Die Vorgabe war eingehalten, der Prüfbericht wäre auch ohne die Suche positiv ausgefallen.

Behoben wurde die Fuge am selben Tag: rund eine Stunde Arbeit, Material unter 50 Euro. Ohne die Suche wäre daraus eine durchfeuchtete Dämmung geworden, ein Schaden am Dachstuhl und eine Sanierung im fünfstelligen Bereich.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Der beste Zeitpunkt: Luftdichtheitsebene fertig, aber noch zugänglich – also noch in der Bauphase. Dann kostet Nachbessern fast nichts.

Davor steht die Frage, was Sie erreichen wollen.

Wollen Sie:

  • in der Neubauphase Fehler finden und nachbessern
  • eine Qualitätskontrolle zum Abschluss machen
  • Sanierungspunkte festlegen
  • den Messwert für die Baubehörde oder die Förderung dokumentieren

Oder haben Sie schon ein Problem und wollen:

  • die Ursache finden
  • ein Sanierungskonzept erstellen
  • die Beweissicherung für ein Gutachten erledigen

Wenn Sie diesen Punkt entschieden haben, kann die Messung geplant werden. Wenn Sie nicht wissen, was Sie eigentlich wollen sollen ;-), lassen Sie sich vom Messtechniker Ihres Vertrauens beraten – am besten von uns 😉

Was muss fertig sein?

Fertig sein muss:

  • Fenster und Außentüren fachgerecht eingebaut
  • Innenputz oder Luftdichtheitsebene an den Außenwänden
  • Luftdichtheitsebene im Dach- und Bodenbereich

Nicht fertig sein muss:

  • Außenputz
  • Fußbodendämmung und Estrich
  • Innentüren
  • Haustechnik
  • Sanitärinstallationen

Wie lange dauert ein Test – und warum der billigste Test der teuerste sein kann

Ein Blower-Door-Test bei einem Einfamilienhaus dauert je nach Messauftrag zwei bis vier Stunden. Für die reine Messung genügen ein bis zwei Stunden – wer die undichten Stellen finden soll, braucht länger.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen zwei Angeboten, die beide „Blower-Door-Test“ heißen.

Die eine Leistung liefert die Zahl: Ventilator einbauen, Druck aufbauen, n50-Wert messen, Prüfbericht ausstellen. Das reicht für Baubehörde und Förderstelle. Eine grobe Leckageortung ist vielleicht dabei, aber nicht dokumentiert.

Die andere sucht die Fehlstellen: das Gebäude bei Unter- und Überdruck systematisch abgehen, mit Thermografie, Strömungsmessung und Nebel, am Dach zusätzlich per Drohne. Jede gefundene Stelle mit Foto, Wärmebild und Ortsangabe, dazu eine Bewertung, wie kritisch sie ist.

Die Norm verlangt eine Leckageortung. In der Praxis unterbleibt sie bei billigen Angeboten meist – oder sie wird mit Mitteln durchgeführt, die zu wenig zeigen. Ein Räucherstäbchen verrät, dass irgendwo Luft zieht; wo genau, wie stark und wohin, zeigen erst Thermografie, Strömungsmessung und Nebel.

Und dokumentiert werden die Leckagen fast nie.

Das ist die Stelle, an der es für Sie teuer wird. Eine mündliche Bemerkung auf der Baustelle – „da zieht’s ein bisschen“ – ist gegenüber der Baufirma nichts wert. Sie brauchen die Fehlstelle mit Foto, Wärmebild und Ortsangabe, sonst können Sie nichts durchsetzen, solange die Gewährleistung läuft oder wenn der Schaden schon da ist.

Und dann ist da noch der Prüfbericht

Den n50-Prüfbericht bekommen Sie in aller Regel – er ist der Nachweis für Baubehörde und Förderstelle. Nur taugt er häufig nichts. Was mir in der Begutachtung regelmäßig unterkommt: Berichte ohne Unterschrift, ohne Datum, und mit dem falschen Grenzwert.

Der letzte Punkt ist der heikelste, weil er nicht nach Schlamperei aussieht, sondern nach einem Ergebnis. Ohne Lüftungsanlage gilt 3,0, mit Lüftungsanlage 1,5, und die Tiroler Wohnbauförderung verlangt für die Zusatzförderung 1,0. Wird der falsche Wert zugrunde gelegt, sieht ein Ergebnis bestanden aus, das es nicht ist – und niemand merkt es, bis jemand genau hinsieht.

Ein Bericht ohne Unterschrift und Datum wiederum ist kein Nachweis, sondern ein Ausdruck. Das fällt Ihnen erst auf, wenn die Förderstelle ihn zurückschickt – oder wenn Sie ihn gegenüber der Baufirma brauchen.

Und hier wird billig teuer. Erinnern Sie sich an das Haus mit dem n50-Wert von 0,9? Der Prüfbericht war positiv – die offene Fuge an der Pfette hätte trotzdem niemand gefunden, der nur misst. Sie steckt im Durchschnittswert.

Wer beim Test spart, zahlt am Ende doppelt – einmal für die Messung, die nichts gefunden hat, und einmal für den Schaden, den sie hätte verhindern können.

Fragen Sie deshalb nicht nach dem Preis, sondern nach dem Umfang. Die nächsten fünf Fragen helfen dabei.

Fünf Fragen, bevor Sie beauftragen

Beides heißt Blower-Door-Test, es sind aber zwei verschiedene Leistungen.

  1. Suchen Sie die Leckagen, oder messen Sie nur? Fragen Sie nach dem Umfang der Leckagesuche.
  2. Womit machen Sie Undichtheiten sichtbar? Ein Räucherstäbchen zeigt, dass irgendwo Luft zieht. Thermografie, Strömungsmessung und videodokumentierter Nebel zeigen, wo, wie stark und wohin.
  3. Bekomme ich jede Fehlstelle dokumentiert? Mit Foto, Thermografiebild und Ortsangabe. „Vereinzelte Undichtheiten festgestellt“ hilft Ihnen gegenüber der Baufirma nicht weiter.
  4. Wer misst, und wer beurteilt das Ergebnis? Ist die Sachverständige bei der Messung dabei – oder unterschreibt sie am Ende nur?
  5. Wann setzen Sie den Termin an? Bei Hitze und Mittagssonne überstrahlen aufgeheizte Bauteile im Thermogramm jede Leckage.

Und eine Frage, die selten gestellt wird: Wer beauftragt den Prüfer? Bestellt die Baufirma den Test, prüft der Messtechniker die Arbeit seines Auftraggebers. Beauftragen Sie die Messung selbst, arbeitet die Prüferin für Sie – der Befund fällt so aus, wie das Gebäude ist.

Fazit

Der Blower-Door-Test prüft, wie dicht ein Gebäude tatsächlich ist – und macht sichtbar, was sonst niemand sieht. Er bestätigt die Einhaltung baurechtlicher Anforderungen und dient als Nachweis für Förderungen.

In der Bau- oder Sanierungsphase eingesetzt, steigert er die Ausführungsqualität deutlich und hilft, Bauschäden zu vermeiden – und damit Ärger, Streit und Sanierungskosten.

Sind bereits Probleme entstanden, klärt er die Ursache und bildet die Basis für eine Einigung und ein Sanierungskonzept.


Wir messen mit Thermografie, Strömungsmessung und Nebel und dokumentieren jede Fehlstelle mit Foto und Ortsangabe. Was wir sonst noch anbieten, steht auf der Angebotsseite.

Unsicher, ob in Ihrem Prüfbericht mehr steht als eine Zahl? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail – wir sehen ihn uns gemeinsam an. Und wenn die Messung noch vor Ihnen liegt: Wir prüfen Gebäude in ganz Tirol.

Telefon +43 5334 20782 · info@tassenbacher.at

Brigitte Tassenbacher – allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige für Bauphysik und Erneuerbare Energien, geprüft in der Bauthermografie Stufe 2.

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